Ein Fischteich, besonders mit Koi, braucht natürlich eine leistungsfähige Filteranlage.
Nachdem schnell klar war, dass man hier mit "Baumarktware" nicht weiterkommt, obwohl die Angaben auf diesen
Filtern schon abenteuerlich sind (Tipp: Teilt man die dort angegebenen Werte durch 10, erhält man reale Werte).
Also ab ins Internet und nach "Profiware" Ausschau gehalten und schon der nächste Schock: Für eine leistungsfähige
Filteranlage kann man locker den Gegenwert eines Kleinwagens verplanen. Also blieb nur der Selbstbau, macht
auch viel mehr Spaß und man kann die Anlage jederzeit erweitern und verbessern und so mit seinen Koi "mitwachsen".
Version (ab 2007):Eine Teichpumpe (OASE Aquamax 6000) pumpt das Wasser vom
Teichboden ins Filterhaus. Dort durchläuft das Wasser zuerst eine UVC-Röhre (TMC Pro-Clear 30 W), worin es
mit UV-Licht bestrahlt wird. Dadurch verklumpen die Schwebealgen und können dann vom Filter erfasst werden.
Diese Röhre ist nur bei Bedarf (grünes Wasser durch Schwebealgen) eingeschaltet. Danach läuft das Wasser
über ein Bogenspaltsieb, wo alle Feststoffe größer 0,2 mm abgehalten werden (Vorabscheidung). Diesen
Vorfilter haben wir als Bausatz erworben und selbst zusammengebaut (BoFiTec). Danach läuft das vorgereinigte
Wasser in den Eigenbau-Biofilter, welcher aus einen 900-l-GfK-Behälter besteht und in 3 Kammern unterteilt
ist. In der 1. Kammer befinden sich Matala-Matten, in der 2. Kammer Filterbürsten und in der 3. Kammer haben
wir einen Patronenfilter mit 15 x 1 m langen Schaumstoffpatronen eingebaut. Von dort aus läuft das Wasser
über den Filterteich zurück in den Fischteich. Der Biofilter wird im Sommer nachts mit einer Belüftungspumpe
(20 l/min über 6 Ausströmer) zusätzlich belüftet. Zur Entleerung des Filters ist eine Schmutzwasserpumpe
im Filter installiert.
Nachteile:Das Spaltsieb musste aller 2-3 Tage gereinigt werden. Dies dauert
zwar nur wenige Minuten, ist aber im Urlaubsfall ungünstig. Die Filterbürsten in der 2. Kammer filterten
die Feinstoffe sehr gut, aber das Rausnehmen und Reinigen der dreckigen Bürsten war jedes Mal eine große
Sauerei. Die UVC-Röhre musste vor dem ersten Frost ausgebaut und durch ein Rohrstück ersetzt werden. Der
Patronenfilter musste zweimal im Jahr komplett gereinigt werden, da sonst der Durchfluss nicht mehr gewährleistet
war. Dies war eine sehr, sehr schmutzige und zeitaufwendige Arbeit.
Version (ab 2009):Die Teichpumpe wurde durch ein leistungsstärkeres Modell
(Laguna PowerJet MaxFlo 11000) ersetzt. Die alte Pumpe wurde für einen Eigenbau-Skimmer weiterverwendet.
Der Patronenfilter wurde entfernt und die 3 Kammern des Biofilters wurden neu bestückt. Alle 3 Kammern
wurden mit insgesamt 100 l Helix 13 mm befüllt. Das Wasser läuft von oben durch die 1. Kammer nach unten
und verwirbelt dabei das Helix. Danach strömt das Wasser von unten nach oben durch das Helix der 2. Kammer
(dieses wird nicht bewegt und filtert damit die Feinststoffe sehr gut) und gelangt anschließend in die 3.
Kammer. In dieser befindet sich das meiste Helix, welches mittels einer Luftpumpe (50 l/min) bewegt wird.
Da sich in dieser viereckigen Kammer das Helix schlecht bewegen ließ, haben wir durch das Hineinstellen
eines großen Fasses einfach eine runde Kammer draus gemacht.
Nachteile:Das Spaltsieb musste aller 2-3 Tage gereinigt werden. Dies dauert
zwar nur wenige Minuten, ist aber im Urlaubsfall ungünstig. Da das Spaltsieb nur eine Filterung bis 200 µm
besitzt, sammelten sich die Feinststoffe nun in der 2. Helix-Kammer an. Diese Kammer musste etwa einmal pro
Woche gereinigt werden. Einfach das Helix mit der Hand kräftig umrühren und das Wasser dieser Kammer mittels
einer in der Kammer stehenden Schmutzwasserpumpe ablassen. Insgesamt eine deutliche Verbesserung gegenüber
den Filtermatten, Bürsten und Patronen, aber für 3 Wochen Urlaub noch nicht geeignet.
Version (ab 2010):Der biologische Teil des Filters mit seinen 3 Kammern
hatte sich bewährt. Die Schwachstelle war das Spaltsieb als Vorfilter. Dieses ließ noch zu viel feinen
Dreck durch, welcher dann den ruhenden Teil des Biofilters verstopfte. Auf der Suche nach einem besseren
Vorfilter stießen wir dann auf Vlies- bzw. Trommelfilter. Da diese Systeme preislich bei etwa 3000€ beginnen,
blieb auch hier nur der Selbstbau. Sicher nicht ganz so perfekt, aber der Prototyp läuft seit 2010 ohne
jede Störung und hat außer viel Zeit beim Bauen keine 500€ gekostet. Außerdem konnte ich den Filter genau
so groß bauen, dass er gerade noch in das Filterhaus passt. Auch die Steuerung des Filters wurde selbstgebaut
und über einen kleinen Webserver werden nun verschiedene Statusinformationen, wie Pumpenlauf, Vliesverbrauch,
Uhrzeit des letzten Vliestransports usw., ins Internet übertragen. So kann ich von überall aus sehen, ob
der Filter noch korrekt arbeitet und ob noch genug Vlies auf der Rolle ist.
Nachteile:Das System läuft völlig selbständig, nur die Vliesrolle muss noch
manuell gewechselt werden. Da das verschmutzte Vlies bei uns einfach auf der Welle des Rolladenmotors
aufgewickelt wird, muss dieses dann mit einem Cuttermesser wieder abgeschnitten werden. Im Hochsommer
"müffelt" dann das Vlies doch etwas und Einmalhandschuhe sind vorteilhaft. Das Wechseln der Vliesrolle
(200 m) dauert etwa 15 min, ist aber im Sommer nur aller 5 Wochen nötig. Im Winter reicht eine Rolle etwa
4 Monate!
Version (ab 2011):Die UVC wurde entfernt, da ich diese in den letzten
beiden Jahren nicht gebraucht hatte. Der gewonnene Platz wurde natürlich für eine neue Spielerei genutzt,
eine Ozonanlage. Mit Hilfe des Ozons kann man den durch Futter, Ausscheidungen der Fische usw.
unvermeidbaren Gelbstich des Wassers entfärben, so dass die Farben der Fische viel besser zur Geltung kommen.
Außerdem wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert.
Die Ozonanlage ist von der eigentlichen Filterkette
völlig unabhängig und hat folgenden Aufbau: Ein gebrauchter Sauerstoffkonzentrator aus der Medizintechnik
(Kröber O2) erzeugt reinen Sauerstoff (95 %, 3 l/min), welcher durch einen Ozongenerator (Sander Ozonisator
C300) geleitet wird. Die ozonisierte Luft wird anschließend in einem Ozonreaktor (Schuran Ozonmodul) mit
dem Teichwasser vermischt. Eventuelles Restozon wird durch Aktivkohle vernichtet. Ein Messgerät überwacht
permanent den PH- und den Redoxwert des Teichwassers. Das Einschalten der Ozonanlage erfolgt jedoch nur
nach Bedarf.
Version (ab 2016):Der bisherige Vliesfilter wurde durch eine neue Version
ersetzt. Natürlich auch wieder im Eigenbau. Diesmal wurde u. a. ein Modulband aus der Industrie verwendet.
Pegelsensoren aus Edelstahl und ein Niveauschalter steuern den Motor des Filters. Die Spülimpulse werden
von der Steuerung auch gezählt und daraus die Restlänge des Filtervlieses und die verbleibenden Tage bis
zum nächsten Rollenwechsel berechnet.
Version (ab 2018):Das runde Fass in der Helixkammer wurde entfernt und das
Helix wird jetzt mit einer stärkeren Luftpumpe bewegt. Dazu wurde ein großer Tellerbelüfter am Boden befestigt.
Dieser ist absolut wartungsfrei.
Version (ab 2024):Eine neue Teichsteuerung mittels ESP32 wurde gebaut.
Damit lässt sich die gesamte Technik per WLAN auch aus der Ferne überwachen und bedienen. Eine Tauch-UVC
wurde installiert und sorgt nun im Frühjahr für klares Wasser. Diese wird aber nur bei Bedarf eingeschaltet.
Außerdem gibt es im Teich noch eine Strömungspumpe, welche auch manuell geschaltet wird und den Koi viel
Spaß bereitet.
Winterbetrieb:In den Wintermonaten werden Filter- und Koiteich mit 50 mm
starken Styrodurplatten abgedeckt. Damit noch Licht in den Koiteich gelangt, gibt es ein 2 x 2 m großes
Fenster aus 16-mm-Doppelstegplatten. Somit hat man auch gleich eine Futterluke. Damit die Wassertemperatur
im Teich nicht unter 5 °C fällt, haben wir 48 m Heizkabel (900 W) auf einen Rahmen gewickelt und im Teich
versenkt. Bei Bedarf wird die Heizung manuell ein- bzw. ausgeschaltet. Bei Außentemperaturen von -25 °C
können wir damit die Wassertemperatur halten und bei 0 °C Außentemperatur erwärmt sich das Teichwasser in
24 Stunden um etwa 0,4 °C. Somit kann auch ohne automatische (und fehleranfällige) Regelung der Teich gut
zwischen 5,0 und 5,5 °C gehalten werden.